Standardstimmung und Kammerton

Die Standardstimmung der Gitarre ordnet jeder der sechs Saiten eine feste Tonhöhe zu. Ihre Bezeichnungen geben die Reihenfolge von der tiefsten zur höchsten Saite an und helfen, einzelne Töne eindeutig zuzuordnen. Als Referenz für die Tonhöhe dient der Kammerton, auf den sich auch die Anzeige eines Stimmgeräts beziehen kann. Cent-Werte beschreiben kleine Abweichungen innerhalb eines Halbtons. Zusammen bilden Saitennamen, Referenzton und Maßeinheit eine klare Grundlage, um Tonhöhen zu benennen und miteinander zu vergleichen.

Die sechs Saiten EADGBE

Von der tiefsten zur höchsten Saite lautet die Standardstimmung E2, A2, D3, G3, B3 und E4. Die Kurzform E-A-D-G-B-E fasst diese Reihenfolge zusammen. In der deutschsprachigen Notenschreibweise wird der Ton B häufig H genannt; dieselbe Saitenfolge erscheint dann als E-A-D-G-H-E. Die Ziffern hinter den Tonnamen kennzeichnen die jeweilige Oktavlage.

Die tiefe E-Saite schwingt bei etwa 82,41 Hz, die A-Saite bei 110 Hz. Für die hohe E-Saite beträgt die Frequenz etwa 329,63 Hz. Diese Werte zeigen, dass gleiche Buchstaben nicht automatisch dieselbe Tonhöhe bedeuten: Entscheidend ist auch die Oktavzahl.

Die beiden E-Saiten liegen genau zwei Oktaven auseinander. Das hohe E4 klingt deshalb deutlich höher als das tiefe E2; seine Frequenz ist viermal so groß. Die mittleren vier Saiten füllen die Tonlagen dazwischen aus. Wer die Saitenfolge E-A-D-G-H-E kennt, kann eine angezeigte Saite ihrer Position zuordnen und die Tonbezeichnung von der Oktavlage unterscheiden.

Kammerton a1 mit 440 Hz

Der Kammerton a1 bezeichnet den Referenzton mit 440 Hz; in der internationalen Oktavbezeichnung heißt derselbe Ton A4. Die Zahl 440 Hz bedeutet, dass die Schwingung 440 vollständige Perioden pro Sekunde umfasst. Dieser festgelegte Bezugspunkt macht Tonhöhen zwischen Instrumenten und Stimmgeräten vergleichbar.

Ein Stimmgerät nutzt den Kammerton als Grundlage, um die erkannte Schwingung einer Note und ihrer Sollhöhe zuzuordnen. Ausgehend von A4 lassen sich die übrigen Töne über ihre musikalischen Abstände einordnen. Auf dem Display erscheint dann beispielsweise ein Tonname zusammen mit einer Anzeige dafür, wie weit der erkannte Ton von der gewählten Zielhöhe abweicht.

Bei einer auf 440 Hz bezogenen Stimmung ist A4 der gemeinsame Bezug, nicht der Ton jeder Gitarrensaite. Die offene A-Saite der Gitarre liegt zwei Oktaven darunter bei A2. So lassen sich der Referenzton des Stimmgeräts und die tatsächliche Oktavlage der Saite auseinanderhalten.

Cent und Halbton

Ein Halbton umfasst 100 Cent. Cent teilen den Abstand zwischen zwei benachbarten Halbtönen in kleinere Einheiten und erlauben dadurch eine genauere Beschreibung der Tonhöhe. In der gleichstufigen Stimmung ergeben zwölf Halbtöne zusammen eine Oktave, also 1.200 Cent.

Die Cent-Anzeige eines Stimmgeräts zeigt, ob der erkannte Ton von der gewählten Zielnote abweicht. Ein positiver Wert bedeutet, dass der Ton zu hoch liegt; ein negativer Wert kennzeichnet eine zu tiefe Tonhöhe. Bei 0 Cent stimmt die erkannte Höhe mit dem angezeigten Ziel überein.

Ein Wert wie +10 Cent steht für eine Abweichung nach oben um ein Zehntel eines Halbtons, während −10 Cent dieselbe Größenordnung nach unten beschreibt. Das Vorzeichen allein nennt also die Richtung, nicht den Namen der Saite oder die Oktavlage. Für die genaue Einordnung gehören Tonname und Cent-Wert zusammen.

Stimmen mit Stimmgerät, App und nach Gehör

Zum Stimmen können Sie die Schwingung einer Saite technisch erfassen oder Töne direkt miteinander vergleichen. Welches Verfahren passt, hängt davon ab, ob Sie eine akustische oder elektrische Gitarre spielen und wie laut die Umgebung ist. Ein Stimmgerät zeigt an, ob der Ton zu tief, zu hoch oder passend ist; beim Gehörvergleich übernehmen Referenztöne diese Orientierung. Für eine verlässliche Tonhöhe wird jede Saite von unten an den Zielton herangeführt. Die folgenden Verfahren lassen sich einzeln nutzen und bei Bedarf miteinander abgleichen.

Clip-on-Stimmgerät, Pedal und App

Die Geräte unterscheiden sich vor allem darin, wie sie den Ton aufnehmen. Ein Clip-on-Stimmgerät sitzt meist am Kopf der Gitarre und nimmt die Schwingungen über den direkten Kontakt mit dem Instrument auf. Ein Pedal-Stimmgerät verarbeitet bei der E-Gitarre das elektrische Signal im Signalweg. Eine Smartphone-App nutzt meist das eingebaute Mikrofon; beim Stimmen nach Gehör wird dagegen kein Messgerät benötigt.

Vergleich der Stimmverfahren nach Aufnahme und Einsatz
VerfahrenMessweiseGitarre und UmgebungPraktischer Einsatz
Clip-on-StimmgerätErfasst Schwingungen über den Kontakt am Instrument.Für akustische und elektrische Gitarren geeignet; funktioniert auch in einem lauten Raum.Am Kopf befestigen und eine Saite einzeln anschlagen; Umgebungsgeräusche stören die Kontaktmessung kaum.
Pedal-StimmgerätMisst das elektrische Signal der Gitarre im Signalweg.Für E-Gitarren mit Verbindung zum Pedal; Umgebungsgeräusche beeinflussen die Signalmessung nicht direkt.Besonders praktisch beim Stimmen vor dem Spielen oder zwischen Liedern mit angeschlossenem Instrument.
Smartphone-AppErfasst den Ton meist über das Mikrofon des Telefons.Für akustische und elektrische Gitarren geeignet, sofern der Ton das Mikrofon erreicht; empfindlich gegenüber Gesprächen und anderen Instrumenten.Eine unkomplizierte Lösung ohne zusätzliches Stimmgerät, wenn es in der Nähe ruhig genug ist.
Stimmen nach GehörVergleicht einen Ton mit einer bekannten Referenz oder einer anderen Saite.Mit beiden Gitarrentypen möglich; Umgebungsgeräusche erschweren das genaue Hören.Nützlich ohne Gerät und als Kontrolle, wenn eine zuverlässige Referenz hörbar ist.

Beim Stimmen mit einem Gerät schlagen Sie die Saite einzeln an und warten, bis die Anzeige stabil ist. Drehen Sie den Stimmwirbel stets so, dass Sie sich der Zielhöhe von unten nähern; liegt der Ton bereits zu hoch, lockern Sie die Saite zunächst und stimmen sie anschließend wieder hinauf.

Ein Clip-on-Gerät ist eine gute Wahl, wenn Sie oft in wechselnden oder lauten Räumen stimmen. Für eine angeschlossene E-Gitarre ist das Pedal direkt im Signalweg praktisch, während eine App vor allem bei ruhiger Umgebung schnell verfügbar ist.

Stimmen nach Gehör mit dem fünften Bund

Beginnen Sie mit einer tiefen E-Saite, deren Ton Sie anhand einer verlässlichen Referenz stimmen, etwa mit einem Stimmgerät oder einer bekannten Tonquelle. Danach wird jeweils ein gegriffener Ton mit der nächsthöheren offenen Saite verglichen:

  1. Greifen Sie die tiefe E-Saite am fünften Bund und schlagen Sie sie an. Ihr Ton soll mit der offenen A-Saite übereinstimmen.
  2. Ist die A-Saite angepasst, greifen Sie sie am fünften Bund. Vergleichen Sie diesen Ton mit der offenen D-Saite.
  3. Greifen Sie die D-Saite am fünften Bund und hören Sie sie abwechselnd mit der offenen G-Saite. Beide Töne sollen dieselbe Höhe haben.
  4. Für den Übergang von G zu B verwenden Sie den vierten Bund der G-Saite, nicht den fünften. Dieser gegriffene Ton entspricht der offenen B-Saite.
  5. Greifen Sie zuletzt die B-Saite am fünften Bund und vergleichen Sie den Ton mit der offenen hohen E-Saite.
  6. Spielen Sie jedes Tonpaar mehrmals abwechselnd an. Werden die Tonhöhen gleich, verschwindet der hörbare Abstand zwischen dem gegriffenen und dem offenen Ton.

Am besten schlagen Sie die Töne mit kurzem Abstand und ähnlicher Anschlagstärke an, damit ihr Vergleich klar bleibt. Bei Unsicherheit prüfen Sie zuerst die tiefe Referenz erneut: Ein Fehler am Anfang überträgt sich auf alle folgenden Saiten.

Oktavreinheit mit Flageolett prüfen

Ein Flageolett am zwölften Bund entsteht, wenn Sie die Saite genau über dem Bundstäbchen nur leicht berühren, statt sie bis zum Griffbrett herunterzudrücken. Schlagen Sie die Saite an und heben Sie den Finger gleich wieder ab: Der klare, hohe Ton klingt eine Oktave über der offenen Saite.

Greifen Sie anschließend dieselbe Saite am zwölften Bund fest herunter und spielen Sie den Ton. Vergleichen Sie ihn direkt mit dem Flageolett; beide sollten dieselbe Tonhöhe haben. Stimmen die Töne überein, liegen die natürlichen Schwingungsteilung am zwölften Bund und der gegriffene Oktavton an diesem Prüfpunkt passend zueinander.

Ein hörbarer Unterschied zeigt, dass Flageolett und gegriffener Ton nicht exakt zusammenpassen. Der Vergleich prüft die Oktave an einem bestimmten Bund, bestätigt aber nicht automatisch die Tonreinheit an jeder anderen Stelle des Griffbretts.

Alternative Stimmungen

Alternative Stimmungen verändern die Tonhöhe einzelner Saiten oder der gesamten Gitarre und damit auch die spielbaren Töne und die Saitenspannung. Manche Varianten reichen aus, um tiefe Akkorde einfacher zu greifen; andere verschieben das gesamte Instrument in eine tiefere Klanglage. Entscheidend ist, welche Töne ein Stück verlangt und ob sich die vorhandenen Saiten dafür angenehm spielen lassen. Bei dauerhaft abweichender Stimmung können stärkere Saiten oder eine Anpassung des Setups sinnvoll sein.

Drop D

Bei der Drop-D-Stimmung wird ausschließlich die tiefe E-Saite um einen Ganzton auf D2 abgesenkt. Dieser Ton schwingt mit etwa 73,42 Hz; die fünf übrigen Saiten bleiben unverändert in Standardstimmung. Die Stimmung heißt deshalb Drop D: Nur die tiefste Saite fällt gegenüber ihrer üblichen Tonhöhe nach unten. Der Unterschied betrifft nicht alle Saiten, sondern verändert vor allem den Tonvorrat im Bassbereich.

Durch das tiefere D lässt sich ein Ton unterhalb des üblichen tiefsten E spielen. Das ist praktisch bei Riffs und Akkorden, die diesen zusätzlichen tiefen Ton benötigen, ohne dass die gesamte Gitarre umgestimmt werden muss. Auch tiefe Powerchords werden leichter greifbar: Die drei tiefsten Saiten bilden nun eine D-A-D-Anordnung. Ein Powerchord auf diesen Saiten kann dadurch mit einem Finger über denselben Bund gegriffen werden, statt die Finger auf zwei Bünde zu verteilen.

Der Klang eines Riffs kann dadurch voller und tiefer wirken, besonders wenn die tiefste Saite offen angeschlagen wird. Für Akkorde, die auf den unveränderten Saiten liegen, bleibt die gewohnte Griffweise dagegen erhalten. Beim Wechsel zwischen Standardstimmung und Drop D muss nur die tiefste Saite angepasst werden; die übrigen Saiten werden nicht mit nach unten versetzt. Das macht Drop D zu einer gezielten Erweiterung des tiefen Tonumfangs, nicht zu einer komplett tieferen Stimmung.

Halbton tiefer (Eb) und D-Standard

Bei einer Stimmung einen Halbton tiefer lauten die sechs Saiten von tief nach hoch Eb, Ab, Db, Gb, Bb, Eb. Jede Saite liegt damit einen Halbton unter ihrer Tonhöhe in der Standardstimmung. Bei D-Standard wird die gesamte Stimmung noch weiter abgesenkt: Die Saiten heißen von tief nach hoch D, G, C, F, A, D. Hier liegt jede Saite einen Ganzton unter ihrer üblichen Standardhöhe.

Der Unterschied ist sowohl hörbar als auch für die Bespielbarkeit relevant. Halbton tiefer klingt nur leicht dunkler und verändert die Tonlage vergleichsweise wenig; D-Standard verschiebt den gesamten Tonbereich deutlich nach unten. Die tiefste Saite erreicht dabei D statt E. Diese tiefere Lage kann zu Stimmen und Arrangements passen, die für eine tiefere Gesamttonart angelegt sind. Bei beiden Varianten bleiben die Abstände zwischen den Saiten gleich, sodass vertraute Akkord- und Griffbilder grundsätzlich erhalten bleiben.

Wer dieselben Saiten verwendet, erhält bei niedrigerer Tonhöhe weniger Zugspannung. Das kann die Saiten weicher und beim Anschlagen beweglicher wirken lassen; bei D-Standard ist der Effekt stärker als bei der Halbtonabsenkung. Zu geringe Spannung kann sich durch ein schwammiges Spielgefühl, stärkeres Schnarren oder instabilere Intonation bemerkbar machen. Ein etwas stärkerer Saitensatz kann mehr Spannung zurückbringen, wobei der passende Durchmesser von Mensur, gewünschtem Spielgefühl und Instrument abhängt. Ein Satz mit hoher E-Saite von .010 Zoll ist beispielsweise nicht automatisch für jede Gitarre und jede tiefere Stimmung die beste Wahl.

Wird dauerhaft tiefer gestimmt, kann ein Fachbetrieb oder eine sorgfältige Setup-Anpassung nötig werden. Dabei kommen je nach Instrument Halskrümmung, Saitenlage und Intonation infrage; bei einer Gitarre mit schwebendem Tremolo kann zusätzlich die Federbalance betroffen sein. Ein stärkerer Saitensatz passt außerdem nicht immer ohne Weiteres durch die Sattelkerben. Prüfen Sie Änderungen schrittweise und lassen Sie den Sattel bei Bedarf fachgerecht anpassen, statt die Saiten mit Kraft durch zu enge Kerben zu ziehen.

Wann sich andere Stimmungen eignen

Die Wahl einer Stimmung hängt davon ab, welche Töne und welches Spielgefühl ein Stück verlangt. Diese Gründe helfen, eine passende Variante einzugrenzen:

  • Tieferer Tonumfang: Wenn ein Riff einzelne Töne unterhalb des tiefsten E benötigt, bietet eine tiefere Stimmung diesen Ton, ohne dass er auf einer anderen Saite gesucht werden muss.
  • Powerchords: Bei Riffs mit wiederholten tiefen Powerchords erleichtert eine passende Saitenanordnung das Greifen und kann schnelle Wechsel über mehrere Bünde vereinfachen.
  • Gewünschte Saitenspannung: Wer einen weicheren Anschlag bevorzugt, kann eine tiefere Stimmung erwägen; bei zu lockerem Spielgefühl können stärkere Saiten die Spannung erhöhen.
  • Spielweise: Bending, kräftiger Anschlag und tief gestimmte Riffs stellen unterschiedliche Anforderungen an Spannung und Saitenlage; wählen Sie die Stimmung passend zu Ihrer Technik.
  • Mensur und Saitenstärke: Eine längere Mensur hält dieselbe Saitenstärke bei gleicher Tonhöhe straffer. Bei kürzerer Mensur kann ein stärkerer Satz helfen, ausreichende Spannung zu bewahren.
  • Instrument und Setup: Tremolo, Sattel und Hals reagieren je nach Gitarre unterschiedlich auf einen Stimmungswechsel; besonders bei dauerhaft tiefer Stimmung kann eine Setup-Prüfung nötig sein.

Stimmen Sie nach dem Umstellen alle Saiten erneut und prüfen Sie, ob sich offene Töne und gegriffene Noten sauber spielen lassen. Bleiben Schnarren, auffällig weiche Saiten oder Abweichungen bei gegriffenen Tönen bestehen, stimmen Sie Saitenstärke und Setup auf die gewählte Stimmung und die Mensur des Instruments ab.

Wenn die Gitarre nicht stimmt

Eine Gitarre kann trotz sorgfältigen Stimmens wieder abweichen oder auf bestimmten Bünden unsauber klingen. Oft liegt die Ursache nicht an der gewählten Stimmung, sondern an Saiten, Instrumenteneinstellung oder wechselnden Umgebungsbedingungen. Achten Sie darauf, ob sich die Abweichung bei allen Saiten oder nur bei einer Saite zeigt. Die Unterschiede helfen, die passende Ursache einzugrenzen.

Neue Saiten und Stimmstabilität

Neue Gitarrensaiten geben in den ersten Tagen nach dem Aufziehen deutlich nach. Die Tonhöhe sinkt dann wieder, obwohl die Saite zuvor gestimmt war. Vorsichtiges, gleichmäßiges Dehnen kann das anfängliche Setzen beschleunigen; kräftiges Ziehen belastet dagegen Saite und Instrument unnötig.

  • Stimmen Sie die neu aufgezogene Saite zunächst auf ihren vorgesehenen Ton und prüfen Sie, ob sie sauber in Sattelkerbe und Stegführung liegt.
  • Heben Sie die Saite mit zwei Fingern behutsam einige Millimeter vom Griffbrett ab, ungefähr im Bereich zwischen Sattel und Steg.
  • Arbeiten Sie abschnittsweise entlang der Saite und verteilen Sie den Zug, statt nur an einem Punkt stark nach oben zu ziehen.
  • Stimmen Sie anschließend erneut und wiederholen Sie das sanfte Dehnen nur so lange, bis die Tonhöhe bei leichter Belastung kaum noch absinkt.
  • Kontrollieren Sie neu aufgezogene Saiten in den ersten Tagen häufiger; besonders nach dem Spielen kann sich die Spannung zunächst noch verändern.
  • Bleibt eine Saite beim Stimmen kurz hängen und springt dann hörbar in der Tonhöhe, kann eine zu enge oder raue Sattelkerbe mitwirken.
  • Auch eine ungünstige Führung am Steg oder ein nicht richtig sitzender Saitenendpunkt kann verhindern, dass sich die Spannung gleichmäßig verteilt.

Wenn einzelne Saiten trotz vorsichtigen Dehnens wiederholt stark absinken, prüfen Sie zuerst, ob sie an Sattel und Steg frei gleiten. Bei dauerndem Hängenbleiben sollte eine Gitarrenwerkstatt die Kerben und die Saitenführung kontrollieren, statt die Saite stärker zu ziehen.

Intonation und Bundreinheit

Die Intonation beschreibt, wie genau gegriffene Töne im Verhältnis zur offenen Saite stimmen. Eine Gitarre kann offene Saiten korrekt wiedergeben und trotzdem am oberen Ende des Griffbretts zu hohe oder zu tiefe Töne erzeugen. Für eine einfache Kontrolle wird der Ton am zwölften Bund mit dem Flageolett am selben Bund verglichen: Beide sollten dieselbe Tonhöhe haben.

Stimmen Sie dafür zuerst die offene Saite und berühren Sie die Saite anschließend genau über dem zwölften Bund leicht, ohne sie auf das Griffbrett zu drücken. Zupfen Sie sie an und lassen Sie den Finger sofort los; so erklingt das Flageolett. Danach greifen Sie dieselbe Saite direkt hinter dem zwölften Bundstäbchen und zupfen erneut. Ein elektronisches Stimmgerät erleichtert den Vergleich, weil es die Abweichung des gegriffenen Tons sichtbar macht.

Drücken Sie beim gegriffenen Ton nur so fest, dass die Saite klar klingt. Zu starker Fingerdruck kann die Saite zusätzlich spannen und den Ton künstlich erhöhen. Vergleichen Sie die beiden Töne unmittelbar nacheinander und wiederholen Sie die Messung, wenn der Anschlag deutlich unterschiedlich war. Schon eine geringe Abweichung ist am zwölften Bund hörbar, weil sie sich beim Akkordspiel weiter bemerkbar machen kann.

Ist der gegriffene Ton scharf, muss der Saitenreiter beziehungsweise Stegsattel nach hinten, also vom Hals weg, bewegt werden. Dadurch wird die schwingende Saitenlänge größer und der gegriffene Ton sinkt. Ist er flach, wird der Sattel nach vorne zum Hals bewegt; die kürzere schwingende Länge hebt den Ton an. Nach jeder Korrektur wird die offene Saite erneut gestimmt und der Vergleich wiederholt. Bei verstellbaren Brücken lässt sich jede Saite einzeln anpassen. Ein fest eingeleimter Steg bietet diese Einstellmöglichkeit meist nicht; wenn die Abweichung bestehen bleibt, kann eine fachgerechte Anpassung nötig sein.

Verstimmung durch Temperatur

Ein Wechsel der Temperatur kann die Tonhöhe verändern, weil sich Metall und Holz unterschiedlich ausdehnen oder zusammenziehen. Saiten reagieren vergleichsweise schnell auf Wärme und Kälte; bei einer starken Veränderung kann sich ihre Spannung und damit der Ton verschieben. Auch der hölzerne Hals und der Korpus reagieren auf die Umgebungsbedingungen, allerdings oft langsamer als die Saiten.

Luftfeuchtigkeit wirkt vor allem auf das Holz: Bei feuchter Luft nimmt es Feuchtigkeit auf und kann sich geringfügig verformen, bei trockener Luft gibt es Feuchtigkeit ab. Solche Veränderungen können die Halskrümmung und dadurch den Abstand der Saiten zu den Bünden beeinflussen. Eine Gitarre, die aus einem kalten Auto in einen warmen Raum kommt oder nach einem Auftritt in einem heißen Saal abkühlt, kann deshalb vorübergehend anders klingen.

Stimmen Sie das Instrument erneut, wenn es sich an den Raum angepasst hat und Sie tatsächlich spielen möchten. Nach einem deutlichen Wechsel der Umgebung ist es sinnvoll, erst einige Minuten zu warten und dann die Tonhöhe zu prüfen; direkt nach dem Transport kann sie sich noch verändern. Bei längeren Proben oder Auftritten lohnt sich eine kurze Kontrolle nach dem Wechsel von einem kühlen in einen warmen Raum.

Fragen zum Stimmen

Regelmäßiges Stimmen hilft, beim Üben verlässlich saubere Töne zu hören.

Wie oft muss man eine Gitarre stimmen?

Stimmen Sie die Gitarre vor jeder Übungseinheit, damit Akkorde und einzelne Töne mit der richtigen Tonhöhe erklingen. Auch wenn das Instrument kurz zuvor gestimmt wurde, können Transport oder längere Pausen die Stimmung verändern.

Neue Saiten benötigen häufigeres Nachstimmen, bis sie sich gesetzt haben. Ebenso können Änderungen von Temperatur oder Luftfeuchtigkeit dazu führen, dass Holz und Saiten anders reagieren und die Tonhöhe schwankt. Bei einem Wechsel zwischen einem kühlen Raum und einer warmen Umgebung lohnt sich deshalb eine erneute Kontrolle vor dem Spielen.

Warum klingt die Gitarre trotz Stimmgerät schief?

Ein sauberer Messwert der offenen Saiten garantiert nicht, dass gegriffene Akkorde sauber klingen. Stimmen Sie etwa alle Leersaiten korrekt, können einzelne Töne am Griffbrett trotzdem zu hoch oder zu tief ausfallen, wenn die Intonation oder die Saitenlage nicht passt.

Als erste Prüfung vergleichen Sie den Ton einer Saite am zwölften Bund mit dem Flageolett am selben Bund oder mit dem passenden Oktavton des Stimmgeräts. Weichen die beiden Töne deutlich voneinander ab, liegt das Problem nicht allein an der Stimmung der offenen Saite. Eine dauerhaft auffällige Abweichung sollte am Instrument überprüft werden.

Kann man eine E-Gitarre ohne Verstärker stimmen?

Ja, eine E-Gitarre lässt sich auch ohne Verstärker stimmen: Sie können die Saiten nach Gehör mit einer passenden Tonreferenz vergleichen oder ein Clip-on-Stimmgerät verwenden. Bei geringer Lautstärke ist der Stimmclip oft die praktischere Wahl, weil er nicht auf ein verstärktes Signal angewiesen ist.

Ein Clip-on-Gerät nimmt die Schwingungen des Instruments über den Kontakt mit der Kopfplatte auf und zeigt die erkannte Tonhöhe an. Dafür muss die Gitarre nicht an einen Verstärker angeschlossen sein. Spielen Sie jeweils eine Saite einzeln an und warten Sie, bis die Anzeige stabil ist, bevor Sie den Ton beurteilen.